Bei Coviello Classics ist am 1. Dezember 2017 unter dem Titel «Fantasie | Sonate» ein hörenswertes Album für Flöte und Klavier erschienen.

Für die Querflöte gibt es sehr wenig Literatur aus der Romantik, darum ist es äusserst verdienstvoll, dass sich die Soloflötistin des Aargauer Symphonie Orchesters «argovia philharmonic» Miriam Terragni zusammen mit ihrer Duopartnerin, der Pianistin Catherine Sarasin auf Entdeckungstour durch die Basler und Pariser Antiquariate gemacht hat. Die Ausbeute war sehr erfreulich: Allein sechs Stücke erleben auf dieser CD ihre weltweit erste Wiedergabe auf Tonträger – und es handelt sich dabei um echte Trouvaillen aus der deutschen (Spät-)Romantik und dem französischen Fin de Siècle.


Den Anfang macht die Fantasie-Sonate in A-Dur op. 17 des Liszt-Schülers Max Meyer-Olbersleben (1850–1927). Obwohl schon mehrfach im Druck erschienen, ist diese grosse dreisätzige Sonate heute so gut wie vergessen. Eine echte Referenzaufnahme fehlte bisher. Diese Lücke darf jetzt als geschlossen gelten. Die beiden Solistinnen ziehen gleich zu Beginn alle Register und lassen ein subtiles, ausgewogenes Zusammenspiel hören. In der anspruchsvollen Ballade in gis-Moll op. 9 für Klavier desselben Komponisten vermag sich Catherine Sarasin als kompetente Solistin zu profilieren. Dem Violinvirtuosen und Konzertmeister von Wagners Gnaden am Bayreuther Festspielhaus August Wilhelmj verdanken wir die Violinstimme zu Richard Wagners kurzer Klavierromanze WWV 94, welche von Miriam Terragni wiederum auf die Flöte übertragen wurde. Von Wilhelmj selbst stammt die Ballade: Sie verbindet Anklänge an eine wagnerische Chromatik mit einer ausladenden spätromantischen Harmonik. Lili Boulangers Pièce erlebt eine träumerische Premiere, gefolgt von der besser bekannten, zart musizierten Nocturne. In Dans la forêt enchantée des Franzosen Léon Moreau (1870–1946) wird die Ruhe des Waldes und das Vorbeischwirren flirrender Sylphen (Luftgeister) plastisch dargestellt. In der Valse Lente variiert Louis Masson die gemächliche Melodie allmählich ganz filigran – mit Ohrwurmpotenzial. Deux Morceaux op. 41 von Victor Alphonse Duvernoy (1842–1907), aufgestöbert in der berühmten Pariser Rue de Rome, sind bei keinem Verlag mehr gelistet. Das Intermezzo, das dem bedeutungsschweren Lamento folgt, setzt mit seinem bezaubernd leichten Rhythmus den Schlusspunkt dieser rundum geglückten Aufnahme.

Quelle: Schweizer Musikzeitung

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